Nico erzählt

Ich heiße Nico. Bin erst wenige Tage jetzt alt. Nach 9 Monaten in Mamas Bauch hatte ich mich zur Überraschung aller kurzfristig entschlossen meine Unterkunft zu wechseln um die nächsten Jahre bei meinen Eltern in Bergisch Gladbach bei Köln zu verbringen.

Meine Mama war doch etwas überrascht, denn schließlich war der Auszug bei ihr erst in 3 Wochen geplant. Aber dafür kann sie sich jetzt wieder besser bewegen und kann sich den ganzen Tag um mich kümmern. In der ganzen Aufregung hatte sie ganz vergessen, dass sie Fotos von uns machen wollte. Ich, mit zarter, rosiger Haut, und noch etwas blinzelnd in die Welt schauend, Sie und Papa mit dem glanzvollem, stolzem Blick wie nur Eltern schauen können. Der Welt verkündend, dass wir nun zu Dritt sind. Alles sollte perfekt sein.

Langsam die Realität begreifend stellten wir fest, dass wir nicht allein waren. Wir waren auf Zimmer 406, 3. Etage auf der Babystation eines Krankenhauses. In einem 3-Bett Zimmer, wo noch 2 Baby-Kollegen von mir, anscheinend dieselbe Wohnung für die ersten Tage gebucht hatten. Ich will nicht klagen mit meinen wenigen Stunden irdischer Erfahrung, aber auf Dauer hätte mir die Einrichtung nicht gefallen. Ein grell beleuchteter Raum, wo regelmäßig die Tür auf und zu geht. Wo Großeltern, Geschwister, Nachbarn, Freunde sich die Hand geben und uns Neugeborene Strampler, Windeln und Plüschtiere mitbringen. Aber uns hier und da auch davon abhalten, mal in Ruhe einen Milchcocktail zu genießen. Oder einfach mal mit Mama und Papa allein sein zu können. Aber nicht nur das! Am Bett nebenan wird auch noch fotografiert. Hektisch scheint es darum zu gehen, schnell ein paar Schnappschüsse zu machen. Zeit ist Geld scheint hier die Devise zu sein, und die etwas gestresste Dame versucht meinen jungen Kollegen im Nebenbett, erst 10 Stunden alt, schnell abzulichten um danach ins nächste Zimmer zu stürmen.
Nur die Ruhe, sagte ich zu Mama. Das wollen wir wirklich nicht.

Wenn ich mich schon in Pose legen lasse, dann bitte ganz behutsam und gefühlvoll. Ich brauche Atmosphäre und eine schöne, vertrauensvolle Umgebung. Viel Haut wollen meine Eltern von mir sehen und da meine letzte Unterkunft wohl temperiert war brauche ich dazu selbstverständlich einen warmen, wohligen Ort anstatt Durchzug im überfüllten Krankenzimmer! Und Ruhe! Ganz viel Ruhe! Kein Stress, bitte! Oder würdet ihr euch im 20-Minuten Takt ablichten lassen wollen? Wir möchten lieber eine Fotografin, die viel Zeit und Geduld mit bringt und sich in meine Welt einfühlt.
Unter uns Neugeborenen hatte sich schnell herumgesprochen, dass es nur eine Adresse gibt, der wir vertrauen können.

Sie kommt gern nach Hause, ist auch am Wochenende mit Freude unterwegs wenn Papa mehr Zeit hat. Und sie war dann auch bei uns. Mir hat es Spaß gemacht mit ihr, auch wenn ich ihr in 2 Stunden Shooting so einige Streiche gespielt habe.
Und auch Papa wollte nun Bilder, wo er mich stolz auf dem Arm hielt und sich trotz wenig Schlaf in den letzten Tagen von der besten Seite zeigte.
Von Mama ganz zu schweigen, der ich immer wieder klar machen musste, dass ich hier die Hauptperson bin. Auf jeden Fall haben wir jetzt die schönsten Erinnerungen meiner ersten Stunden in dieser aufregenden Welt und hatten eine ganze Menge Spaß dabei.
Aber, ob zu Hause, oder in ihrem neuen Studio! Euch wird es bestimmt auch gefallen. Ich zumindest habe bereits einen Folgetermin mit Ihr ausgemacht, wenn ich ein Jahr alt werde.

Euer Nico